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Silvana Denker im Interview

Silvana gewann das Favie Influencer Voting. Sie ist eine unglaublich beeindrucke und vielfältige Frau. Als Fotografin, Curvy-Model und BodyLove-Aktivistin ermutigt sie Menschen zu mehr Selbstliebe. 

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#1 Wie war es für dich als Coach bei “No Body Is Perfect” mitzumachen?

Als damals die Anfrage kam, bei dem Projekt mitzumachen, dachte ich zuerst: „Die sind doch verrückt, ich renne doch nicht nackt durch Griechenland.“ 😃 Dann habe ich mir aber die englische Version der Sendung angeschaut und war absolut beeindruckt, was in so kurzer Zeit dort mit den Menschen passiert ist und wie sensibel und behutsam diese Sendung war, ohne jemanden bloß zu stellen. Ich habe gemerkt, wie sehr diese Sendung das ist, was ich auch sonst mit meiner Arbeit, meinen Fotos und in Gesprächen mache. Daher habe ich mich sehr auf den Dreh gefreut und war selbst überrascht, wie leicht es mir gefallen ist, mich einfach nackt oder nur mit Bodypainting vor dem Team, den Kameras oder auch in der Öffentlichkeit zu zeigen. Ich habe mir keine Gedanken darüber gemacht, wie ich vielleicht aussehen könnte, wie meine Brüste bei der ein oder anderen Challenge umherfliegen oder meine lose Haut runterhängt. Ich habe mich einfach frei und schön gefühlt und glaube, dass ich deshalb den TeilnehmerInnen auch viel mitgeben konnte.

#2 Wolltest du schon immer Model oder Fotografin werden?

Haha, nein gar nicht, ich wollte immer Medizin studieren, habe das große Latinum, extra Bio-LK gewählt und ein Freiwilliges Soziales Jahr nach dem Abi gemacht, um Wartesemester fürs Studium zu sammeln. Danach habe ich eine Ausbildung zur Gesundheits- und Krankenpflegerin begonnen und da gemerkt, dass das nicht mein Weg ist und meinen kompletten Lebensplan über den Haufen geworfen. Einen Plan B hatte ich damals nicht und so jobbte ich mal hier, probierte da was aus und hatte mein Hobby, das Modeln. Damals wirklich nur ab und an und ohne daran zu denken, das jemals mal beruflich zu machen, da ich mit Kleidergröße 38 und strammen Schenkeln und Oberarmen vom Volleyball fürs Modeln zu dick war, wie ich dachte.

Durch das Modeln hatte ich auch immer mehr eigene Ideen für Fotoshootings und kaufte mir 2006 meine erste eigene Kamera und fing an, unsere Hunde, Freunde und Familienmitglieder abzulichten. Als im Oktober dann Otto Waalkes mit seinen Zwergen auf Promotour durch Deutschlands Kinos unterwegs war, fuhr ich nach Siegburg und wurde prompt mit Backstage genommen, wo ich alle kennenlernte. Nach weiteren Einladungen in andere Kinos lud man mich ein, die Zwerge auf der Tour zu begleiten, um Fotos für die Webseite zu machen. Und da war für mich klar, das ist, was ich beruflich machen will. Ich studierte Fotodesign an einer Medienakademie in Köln und machte mich nach und nach selbstständig. Als mich 2010 eine Freundin fragte, ob ich nicht Fotos von ihr machen könne für einen Modelwettbewerb für große Größen, schaute ich mir das auch mal an und sendete (mittlerweile mit Kleidergröße 42/44) selbst auch Fotos ein und landete prompt im Finale. Obwohl ich nicht gewonnen habe, wurde ich kurz darauf von meiner ersten Modelagentur unter Vertrag genommen und stand im Frühjahr darauf für meinen ersten großen Job in Los Angeles vor der Kamera. Also schon eine ganz witzige Geschichte, wie das bei mir alles so kam. 😃

#3 Du kennst beide Seiten, einmal vor und hinter der Kamera. Was gefällt dir besser?

Ich liebe beide Seiten gleich, vor der Kamera gefällt mir, in verschiedene Rollen schlüpfen zu können, mal wer anders zu sein, mit der Kamera zu spielen, tolle Mode tragen zu dürfen und je nachdem, was ich shoote, mit meinen Fotos auch Themen ansprechen zu können, für mehr Body-Positivity zu kämpfen, Menschen Mut machen zu können. 

Hinter der Kamera liebe ich den Austausch mit meinen Models,Kundinnen und Kunden, ihnen zu zeigen, wie schön sie sind und ihnen zu helfen, sich auch mal mit anderen Augen sehen zu können. Fotos sind ein starkes Mittel für das was ich mache. Mit meinen Kampagnen möchte ich etwas Gutes tun, Menschen zum Nachdenken anregen, ermutigen, Angst und Selbsthass nehmen.

Ich finde es so schön, dass ich mit ja eigentlich einfachen Mitteln anderen helfen kann, egal ob vor oder hinter der Kamera und ich bin froh und wirklich dankbar, dass ich das tun kann was ich liebe.

Favie Curvy Fashion Silvana Denker Bodylove Interview

#4 Was ist dein Lieblings Self-Love Tipp?

Zunächst sollte man aufhören, sich mit anderen zu vergleichen, wir sind doch alle komplett verschieden, warum also vergleichen, was sich nicht vergleichen lässt? Und was ich aus der Sendung mitgenommen habe: vor den Spiegel stellen und sich positive Dinge sagen, statt immer nur die negativen aufzuzählen. Was gefällt dir heute am besten an dir? Worauf bist du stolz? Was hast du gut gemacht? Wir neigen ja gern dazu, immer nur die schlechten Dinge an uns zu sehen, wir müssen den Fokus wieder mehr auf die positiven lenken.

#5 Wie hast du es geschafft so selbstbewusst zu sein?

Für mich war es ein sehr langer, steiniger Weg, dahin zu kommen, wo ich heute bin. Tatsächlich habe ich mich früher gehasst und mir gewünscht, jemand anderes zu sein. Das Mobbing und die Ausgrenzung in der Schule haben dazu ebenfalls beigetragen und ich fragte mich immer, was an mir so falsch ist. Mein Körperbild war komplett verzerrt, selbst mit Kleidergröße 40 oder sogar 38 habe ich mich zu dick gefühlt und habe meinem Körper schlimmes angetan, um abzunehmen. So rutschte ich schließlich in einen Kreislauf aus Essstörungen. Binge Eating Phasen wechselten sich mit Phasen von Bulimie und Magersucht ab, ich kannte nur Extreme. Essattacken wechselten sich ab mit Zeiten des exzessiven Sports und kaum essen, dazu Abführmittelmissbrauch und mehr...

So hatte ich immer wieder massive Gewichtsschwankungen, mal 25kg hoch und wieder runter, dann 45kg hoch, 35kg runter und so ging es über die Jahre immer weiter. Den Blick auf mich selbst fing ich an zu ändern, als ich in die Plus Size Szene kam, dort habe ich zum ersten Mal festgestellt, was für wunderschöne Frauen es auch mit größeren Größen gibt, auch der Zusammenhalt, die Toleranz hat mich beeindruckt und zum ersten Mal habe ich mich dazugehörig gefühlt. Nach und nach habe ich mich ja auch als Fotografin auf Plus Size/ Curvy spezialisiert und immer mehr tolle Menschen kennenlernen dürfen. Menschen, die mir gezeigt haben, dass man sich selbst lieben darf, auch, wenn man nicht dem gängigen Ideal entspricht und mir gezeigt haben, dass ich gut bin so wie ich bin, egal mit welcher Konfektion. Ich habe angefangen, Menschen aus meinem Leben gehen zu lassen, die mir nicht gut getan haben und selbst immer mehr Kampagnen und Fotoserien zum Thema Selbstliebe gemacht, bis 2015 meine BodyLove Kampagne geboren wurde. Tatsächlich war diese Kampagne auch eine Art Therapie für mich selbst und in Kopenhagen bin ich schließlich auch selbst in Unterwäsche mitgelaufen, damals mit Konfektion 50. Zum ersten Mal habe ich mich unglaublich befreit gefühlt. Und durch die Kampagne habe ich so viel Liebe erfahren, so wundervolle Zuschriften bekommen, dass ich gemerkt habe, ich bin gut so wie ich bin, an mir ist nichts falsch. Ich hab meine Fehler und Ecken und Kanten und das ist absolut menschlich. 

Ich möchte all diese Erfahrungen nutzen, um anderen nun auf ihrem Weg beizustehen, denn gemeinsam geht man den Weg leichter.

#6 Was liebst du an dir am meisten?

Ich liebe an mir am meisten, dass ich mich mittlerweile so akzeptieren kann wie ich bin, dass ich stolz auf mich sein kann, was ich geschafft habe und trotz aller Widrigkeiten nie aufgegeben habe. Und meine Bauchnarbe, mein Bellysmile, die ja fast schon mein Markenzeichen geworden ist und mich, als ich sie zum ersten Mal nach der Operation sah, zum Weinen gebracht hat, liebe ich mittlerweile auch. 😊